Die Liebesverblendung – Leseprobe

Der Reiz des Risikos

„Zwei Seelen wohnen, ach in meiner Brust.“ Goethe schrieb Wahres. Des Menschen Herz, es ist bewohnt von zwiespältigen Seelen. Das Dilemma: Die wollen selten dasselbe. Allzu oft das grundsätzlich Gegensätzliche.

Die Seele des Ängstlichen: Sie hat Sehnsucht nach Sicherheit. Heimweh nach dem Hafen fürs Herz. Geborgenheit. Zuhause. Rausch in der Routine des Alltags. Sie meidet die Veränderung. Im Risiko liegt die Gefahr. Wer sich in Gefahr begibt, der könnte darin umkommen … Die Bleistiftskizze verharrt im sicheren Sein des Hier und Jetzt.

Die Seele des Mutigen: Sie lebt durch Leidenschaft. Nährt sich durch die Veränderung.  Blüht durchs Erleben. Birst vor Sehnsucht nach Aufbruch. Eroberung. Abenteuer. Sie meidet die Eintönigkeit und brennt für die Erkenntnis.  Ohne sie laboriert sie in Langeweile! Ein Feuerwerk ohne Funken. Ein Gemälde ohne Farbe. Ein Ferrari auf Standgas. Hingabe an die Verführungen des Füllhorns des Lebens ist ihr Schicksal. Sie lässt sich verführen von Liebe und Leben … Doch wer ins Feuer fasst, der kann sich verbrennen.

Feuer oder Feigheit, das ist die Frage! „Is it better to burn out or to fade away?“

Leidenschaft oder Langeweile?

Routine oder Risiko?

Gefangenschaft oder Gefahr?

Ich plädiere für das Risiko! Im Ernst! Haben wir wirklich die Wahl? Auf der Berg- und Talfahrt unseres Lebensweges sind wir mal oben. Mal ganz unten. Abenteurer und Zauderer. Held und Haderer. Gewinner und Verlierer. Täter und Opfer. Engelchen und Teufelchen. Das Gute und das Böse wohnen nah beieinander. Das Universum ist ein Spielkasino. Das Leben eine Schule permanenter Prüfungen! Bedienungsanleitungen gibt es keine. Die Dunkelheit ist da, um uns das Licht zu zeigen. Und wer nicht wagt, der nicht gewinnt …

No risk, no fun. No pain, no gain! Ohne Einsatz kein Gewinn!

Mesdames et Messieurs: Faites vos Jeux …

Der Duft der Teens

Der Blick auf die MegaO versprach Rettung. „Liebster. Wie schön, Dich zu sehen. Schon 8 Uhr. Ich muss schnell ins Bad und los zum kreativen Komitee …“ Flüchtig hauchte sie dem Woolf zwei Luftküsse entgegen. Die schmalen grauen Lippen bewusst verfehlend. Er machte ihr Angst. Unbewegt starrte sein kalter Blick in ihre grünen Augen. „Du hast was vergessen!“ Er deutete vorwurfsvoll zur Tür. Da stand der Koffer-Kurier. Mit ihrem überdimensional großen Samson-Light-Reisebegleiter. „War wohl auf dem Transfer von Miami über New York verloren gegangen“, mutmaßte der Bote ironisch. Woolfs Blick wurde zur Antarktis. „MIAMI?“ Seine Stimme hallte hohl durch die verwüstete Wohnung. Nikki zuckte zusammen. Das Rot des Koffers wurde zum Spiegel ihrer Gesichtsfarbe. „Was ist das denn? Rote Koffer und Champagner zum Frühstück?“, ertönte da die rettende Säuselstimme des tadelnden Ewald hinter dem Koffer hervor. Schnell schob er den Boten die Treppe hinunter und hievte Samson Light in die Wohnung. „Frau Rose. WIE SEHEN SIE DENN AUS? HUSCH, HUSCH INS BAD! So können Sie sich im Job nicht sehen lassen! Herr Woolf. Wissen Sie, wofür der Aschenbecher erfunden wurde?“ Die säubernde Schärfe des Putzmanns war wie Strichnin. Sie rettete die Rose. Schnell schwebte sie ins Bade-Refugium und restaurierte sich, rucki, zucki, zurück vom Staubwedel zur Stilikone.

In Aschhausen versammelte sich das kreative Komitee. Brian Brennie, die Augen hinter einer großen, mit Strassovsky-Steinen dekorierten Sonnenbrille stylish verbergend, fragte den Meister der Metzger nach dem großen Schuss. „Und Wolfi, ist das Shooting nicht fantastisch geworden?“ Wolfi Blei blickte unsicher Richtung Beate Bier. Er war der Gott des Verkaufs. Nicht des Geschmacks. Beate Bier, schließlich war sie bei aller Burschikosität ein Weib, sollte sich äußern! Sie repräsentierte die Zielgruppe von Armada! Die hatte sich Nikkis Worte NICHT zu Herzen genommen. „Na ja. Ganz schön schlecht geworden““ Sie lächelte sauertöpfisch mit biestigem Oberbiss. „Vor allem desch Pornobild.

Desch erscheint mir nirgendwo!“ Nun nickte Wolfi zustimmend. „Das wird Konsequenzen haben!“ Das Thema war noch nicht gegessen. „Frau Bier. Die New Yorker Kosmopoliten sind hier!“ Frau Sonnenhauschers glockige Stimme kündigte die Parfüm-Schöpfer aus dem großen Apfel an. Das kreative Komitee diente der Kreation des nächsten Armada-Parfüms. Ibiza Yippie. Der Apfel der Versuchung wurde in Aschhausen zusammengebraut …

Die Meister der Parfümmischung betraten den Besprechungsraum des Armada-Vorstands auf leisen Sohlen. Michael Forster. Der aus dem Schwarzwald stammender Kosmopolit war mit der Schöpfung von Davidstoff berühmt für seine sinnliche Nase geworden. Sein Gesicht verriet Lust und Leidenschaft. Sein new yorkerisches Denglisch die Heimat. „I honestly wonder: how does ink smell?“ Nikki kannte Michael noch aus der Zeit von Mystar. Auch für dieses Luxuslabel hatte er den Duft gemischt. Präsenz. Er roch sinnlich und süß. War das der Duft der Tinte? Hinter ihm trat Volker Kleemann in den Raum. Er war für die kreative Vermarktung verantwortlich. Man erkannte es unschwer an dem braunen Popperschnitt mit dem rasanten Seitenscheitel. Er schleppte schwere schwarze Koffer. Die Kreativen waren zu Kofferträgern verkommen. Glanz und Gloria gebührte den Moneten-Machern. Nun holte er diverse Phiolen, Pappen und Flakons aus den Koffern. „Womit wollen wir beginnen?“ „Na, mit dem Juice natürlich!“, schnauzte Michael seinen Kreativknecht an. „Also, wir haben zehn Renner!“ Der Kleemann warf den Popperscheitel zurück und träufelte das erste Gebräu auf Teststäbchen. Die wurden in der Hierarchie des Haifischbeckens herumgereicht. Wolfi Blei. Beate Bier. Brian Brennie. Nikki Rose. Sie schnüffelten wie die Trüffelschweine an den Stäbchen. „Also, Beate, das finde ich famos!“, äußerte sich Wolfi Blei als Ranghöchster. „Duftet nach Party, Pfirsich, Panty.“ „Also ich find’s a bissi billig!“ Beate Bier rümpfte das Riechorgan, das ein klein wenig gen Himmel zeigte. Brian setzte die Sonnenbrille schnell wieder auf.

 

 

 

 

Schwarzer Schnee über Schwabing

„Pieppieppieppiiiiiiiiiiiieeeeeep!!!!!“ Das äußerst aggressive, sirenenhafte Getöse im Ohr vermochte Tote zum Leben zu erwecken. Die Rose fühlte sich wie ein Zombie. Ihr Kopf hämmerte, als sei ein Zementbohrer in ihm zugange. Der Körper auf der durchfeuchteten Matratze. Er war wie gebadet. Nicht in der Kaiserwanne. Vielmehr: in Schweiß und Tränen. Im Dämmerzustand des Wachwerdens war sie noch gefangen in der schwarzen Schattenwelt des Albtraums. Sie vermeinte, die Fratze des Todes zu sehen. Seine ausgemergelten Arme umklammerten noch immer ihren Körper. Ein Gefängnis aus Knochen. „Pieppieppiep!“ Die unermüdliche Batterie der Nahrungsmaschine schraubte sich geräuschvoll und unnachgiebig in ihr Gehör. Ein Blick aus dem Dachfenster. Die schlafgeblendeten Augen noch von Mister Sandmann verkrustet, starrte die Rose der Realität entgegen. Das Turmfenster glühte mystisch und zog ihren Blick hinaus in den dunkel scheinenden Himmel. Was war das? Schwarze Asche fiel wie feiner Schnee über die Dächer Schwabings. Mitten im September. Das Pieppieppiep-Geräusch, es kam von unermüdlichen Armeen von Kehrmaschinen. Die veranstalteten auf der Klemensstraße einen merkwürdigen Reinigungsmarathon. Es waren mindestens ein Dutzend. Sie manövrierten vor- und rückwärts mit bebenden Besen durch die Gasse. Die Asche mehr aufwirbelnd, denn entsorgend. Gesteuert wurden sie von tatkräftigen kleinen Männchen in Orange. Eifrig wie die Ameisen versuchten sie, die Folgen des unerklärlichen Ascheregens auszumerzen. Was war geschehen? Hatte die Wolke, die Jahre später über Island ausbrechen sollte, Generalprobe gehalten? Die Rose starrte sinnierend in den sanften Vorhang aus schwarzem Schnee … Ein dumpfes Brummen vibrierte irgendwo und überall. Die Rose setzte sich auf. Schwindelig starrte sie in den schwarzen Schnee. Sie schlüpfte aus dem Bett und schlich auf Zehenspitzen die Wendeltreppe hinunter. Das Wohnzimmer war ein Schlachtfeld. Armeen aus Tellern, Töpfen und Gläsern türmten sich in der Idea-Küche. Eine sonderbare Stille erfüllte den Raum.

Genoss das Prickeln in der Kehle, die Belebung des Geistes. Da senkte sich eine heiße Hand auf ihre schöne Schulter. Sie drehte sich um und starrte in eisgraue Augen.

Der Duft der Teens

Der Blick auf die MegaO versprach Rettung. „Liebster. Wie schön, Dich zu sehen. Schon 8 Uhr. Ich muss schnell ins Bad und los zum kreativen Komitee …“ Flüchtig hauchte sie dem Woolf zwei Luftküsse entgegen. Die schmalen grauen Lippen bewusst verfehlend. Er machte ihr Angst. Unbewegt starrte sein kalter Blick in ihre grünen Augen. „Du hast was vergessen!“ Er deutete vorwurfsvoll zur Tür. Da stand der Koffer-Kurier. Mit ihrem überdimensional großen Samson-Light-Reisebegleiter. „War wohl auf dem Transfer von Miami über New York verloren gegangen“, mutmaßte der Bote ironisch. Woolfs Blick wurde zur Antarktis. „MIAMI?“ Seine Stimme hallte hohl durch die verwüstete Wohnung. Nikki zuckte zusammen. Das Rot des Koffers wurde zum Spiegel ihrer Gesichtsfarbe. „Was ist das denn? Rote Koffer und Champagner zum Frühstück?“, ertönte da die rettende Säuselstimme des tadelnden Ewald hinter dem Koffer hervor. Schnell schob er den Boten die Treppe hinunter und hievte Samson Light in die Wohnung. „Frau Rose. WIE SEHEN SIE DENN AUS? HUSCH, HUSCH INS BAD! So können Sie sich im Job nicht sehen lassen! Herr Woolf. Wissen Sie, wofür der Aschenbecher erfunden wurde?“ Die säubernde Schärfe des Putzmanns war wie Strichnin. Sie rettete die Rose. Schnell schwebte sie ins Bade-Refugium und restaurierte sich, rucki, zucki, zurück vom Staubwedel zur Stilikone.

In Aschhausen versammelte sich das kreative Komitee. Brian Brennie, die Augen hinter einer großen, mit Strassovsky-Steinen dekorierten Sonnenbrille stylish verbergend, fragte den Meister der Metzger nach dem großen Schuss. „Und Wolfi, ist das Shooting nicht fantastisch geworden?“ Wolfi Blei blickte unsicher Richtung Beate Bier. Er war der Gott des Verkaufs. Nicht des Geschmacks. Beate Bier, schließlich war sie bei aller Burschikosität ein Weib, sollte sich äußern! Sie repräsentierte die Zielgruppe von Armada! Die hatte sich Nikkis Worte NICHT zu Herzen genommen. „Na ja. Ganz schön schlecht geworden““ Sie lächelte sauertöpfisch mit biestigem Oberbiss. „Vor allem desch Pornobild.

Desch erscheint mir nirgendwo!“ Nun nickte Wolfi zustimmend. „Das wird Konsequenzen haben!“ Das Thema war noch nicht gegessen. „Frau Bier. Die New Yorker Kosmopoliten sind hier!“ Frau Sonnenhauschers glockige Stimme kündigte die Parfüm-Schöpfer aus dem großen Apfel an. Das kreative Komitee diente der Kreation des nächsten Armada-Parfüms. Ibiza Yippie. Der Apfel der Versuchung wurde in Aschhausen zusammengebraut …

Die Meister der Parfümmischung betraten den Besprechungsraum des Armada-Vorstands auf leisen Sohlen. Michael Forster. Der aus dem Schwarzwald stammender Kosmopolit war mit der Schöpfung von Davidstoff berühmt für seine sinnliche Nase geworden. Sein Gesicht verriet Lust und Leidenschaft. Sein new yorkerisches Denglisch die Heimat. „I honestly wonder: how does ink smell?“ Nikki kannte Michael noch aus der Zeit von Mystar. Auch für dieses Luxuslabel hatte er den Duft gemischt. Präsenz. Er roch sinnlich und süß. War das der Duft der Tinte? Hinter ihm trat Volker Kleemann in den Raum. Er war für die kreative Vermarktung verantwortlich. Man erkannte es unschwer an dem braunen Popperschnitt mit dem rasanten Seitenscheitel. Er schleppte schwere schwarze Koffer. Die Kreativen waren zu Kofferträgern verkommen. Glanz und Gloria gebührte den Moneten-Machern. Nun holte er diverse Phiolen, Pappen und Flakons aus den Koffern. „Womit wollen wir beginnen?“ „Na, mit dem Juice natürlich!“, schnauzte Michael seinen Kreativknecht an. „Also, wir haben zehn Renner!“ Der Kleemann warf den Popperscheitel zurück und träufelte das erste Gebräu auf Teststäbchen. Die wurden in der Hierarchie des Haifischbeckens herumgereicht. Wolfi Blei. Beate Bier. Brian Brennie. Nikki Rose. Sie schnüffelten wie die Trüffelschweine an den Stäbchen. „Also, Beate, das finde ich famos!“, äußerte sich Wolfi Blei als Ranghöchster. „Duftet nach Party, Pfirsich, Panty.“ „Also ich find’s a bissi billig!“ Beate Bier rümpfte das Riechorgan, das ein klein wenig gen Himmel zeigte. Brian setzte die Sonnenbrille schnell wieder auf.

Also für mich riecht es nach Sex und Bikini. So wie es sollte.“ Nikki blickte tiefsinnig in die Runde. Was duftete im Sinne der 12 bis 14-jährigen Zielgruppe nach Party auf Ibiza? „Also ich finde es gar nicht soooo schlecht“, äußerte sie sich indifferent. Nur rudimentär bemüht, Begeisterung zu verströmen. Dieses Riechwasser roch so billig, wie die Herstellung der artifiziellen Aromen war. Anders als die Klassiker der großen Düfte waren die der Neuzeit falsch und fad! Sie schüttelte sich unmerklich. An ihren Körper kam nur Wasser. Und Shalimar. Nun äußerte sich Maestro Michael: „Des iss der große Wurf! Die Geruchskanone schlechthin. Das wird der Duft der Saison!“ Volker Kleemann nickte wie ein Wackeldackel. Sein Seitenscheitel stimmte mit. „Absolut. DER RENNER! Aber wir wollen Euch die anderen Kandidaten nicht vorenthalten.“ Neun Duftrunden später war der Raum in eine Wolke aus süßem Gestank getaucht. Die Geruchsverblendung war Taktik des Mischmeisters. Niemand roch mehr irgendwas. „Also. Wir sind uns wohl alle einig. Nummer eins ist DAS DING!“ Die Runde nickte betäubt. Der neue Duft war geboren. „Ibiza. Yippie!“ Wolfi Blei klatschte mariniert mit den gepflegten Playboy-Händen. „Gut. Dann kommen wir zum Flakon!“ Den hatte der berühmte Designer-Stern aus Hamburg entworfen. Seit dem grandiosen Erfolg des Bösslein-Parfüms war er der gefragte Guru des guten Flakons. In diesem Fall war das kein großes Kunststück. Die Form des Armada-Saison-Flakons war Gesetz. Leicht herzförmig und kitschig. Mit vergoldetem Verschluss. Nur die Farbgebung änderte sich von Saison zu Saison. Diesmal war ein Verlauf von Gelb zu Pink

vorgegeben. Gemäß dem Stoff der Outfits. „Nun die Werbung!“ Volker Kleemann, immer noch aufgeregt den Scheitel schüttelnd, reichte diverse Pappen mit Party feiernden Teenagern in gelben und pinkfarbenen Bikinis in die Runde. Man einigte sich auf die Version „Lolita“.

„Smells like Teen Spirit!“ Nach dem schweren Tag der Duftattacken begleitete sie Nirwana aus dem Niemandsland des Geschmacks in ihr vereinnahmtes Zuhause. Was sie wohl heute dort erwarten würde?

Also für mich riecht es nach Sex und Bikini. So wie es sollte.“ Nikki blickte tiefsinnig in die Runde. Was duftete im Sinne der 12 bis 14-jährigen Zielgruppe nach Party auf Ibiza? „Also ich finde es gar nicht soooo schlecht“, äußerte sie sich indifferent. Nur rudimentär bemüht, Begeisterung zu verströmen. Dieses Riechwasser roch so billig, wie die Herstellung der artifiziellen Aromen war. Anders als die Klassiker der großen Düfte waren die der Neuzeit falsch und fad! Sie schüttelte sich unmerklich. An ihren Körper kam nur Wasser. Und Shalimar. Nun äußerte sich Maestro Michael: „Des iss der große Wurf! Die Geruchskanone schlechthin. Das wird der Duft der Saison!“ Volker Kleemann nickte wie ein Wackeldackel. Sein Seitenscheitel stimmte mit. „Absolut. DER RENNER! Aber wir wollen Euch die anderen Kandidaten nicht vorenthalten.“ Neun Duftrunden später war der Raum in eine Wolke aus süßem Gestank getaucht. Die Geruchsverblendung war Taktik des Mischmeisters. Niemand roch mehr irgendwas. „Also. Wir sind uns wohl alle einig. Nummer eins ist DAS DING!“ Die Runde nickte betäubt. Der neue Duft war geboren. „Ibiza. Yippie!“ Wolfi Blei klatschte mariniert mit den gepflegten Playboy-Händen. „Gut. Dann kommen wir zum Flakon!“ Den hatte der berühmte Designer-Stern aus Hamburg entworfen. Seit dem grandiosen Erfolg des Bösslein-Parfüms war er der gefragte Guru des guten Flakons. In diesem Fall war das kein großes Kunststück. Die Form des Armada-Saison-Flakons war Gesetz. Leicht herzförmig und kitschig. Mit vergoldetem Verschluss. Nur die Farbgebung änderte sich von Saison zu Saison. Diesmal war ein Verlauf von Gelb zu Pink

vorgegeben. Gemäß dem Stoff der Outfits. „Nun die Werbung!“ Volker Kleemann, immer noch aufgeregt den Scheitel schüttelnd, reichte diverse Pappen mit Party feiernden Teenagern in gelben und pinkfarbenen Bikinis in die Runde. Man einigte sich auf die Version „Lolita“.

„Smells like Teen Spirit!“ Nach dem schweren Tag der Duftattacken begleitete sie Nirwana aus dem Niemandsland des Geschmacks in ihr vereinnahmtes Zuhause. Was sie wohl heute dort erwarten würde?

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